Vernatlantis und das Weserbergland

Verfolgen Sie die Geschichte eines alten Hauses und der neuen Besitzer. Lesen Sie Geschichten und Informationen aus einer kleinen aber lebendigen Gemeinde. Lernen Sie die Menschen, die Umgebung, die Städte und Flüsse kennen.   Erleben Sie unser VernAtlantis. Die Erlebnisse der ersten Jahre jetzt als Buch: Vernatlantis: ISBN-10: 3839107555

Kapitel 70:

03.04.09 – 20.04.09
Ostern – ein Sommertraum Vol. 2

Bild_2Ich werde mich die nächsten Tage damit beschäftigen, die alten Balken der Dachterrasse abzubauen und neue Balken einzuziehen. Das Wetter ist fantastisch und bei 27 Grad kochen langsam meine Gehirnzellen.

- Wer hat gesagt, wo nichts ist kann auch nichts kochen?
- Vortreten, betragen sechs, setzen!


Die Sonne steht den ganzen Tag auf meinem Arbeitsplatz. Besser als auf Mallorca -

URLAUB!

Ich turne in luftiger Höhe über das Gebälk. Da staunt die Traber-Renz-Truppe.
Nach ein paar Tagen liegen die Balken inzwischen so eng, dass ich kaum noch durchrutschen kann (wofür eine schöne runde Wampe doch gut ist, wolle).

Abrutschen führt jetzt allerdings dazu, dass Balken zwischen den Beinen –,aua.
Dann können die Weichteile den Mandeln guten Tag sagen.

Das erinnert mich an meine Kindheit. Ich muss so um die sechs Jahre alt gewesen sein, als ich einen Baumstamm hinunter gerutscht bin. Natürlich hatte ich, wie fast immer, meine kurze Lederhose an. Die Lederhose hatte einen entscheidenden Vorteil, sie hielt mein experimentierfreudiges Kinderleben über Monate aus, ohne sich in Fetzen um meinen Unterleib zu winden. Sie hat beim Baumrutschen allerdings einen entscheidenden Nachteil, so ziemlich die ganze untere Region ist ungeschützt.

Und so nahm der Baum bittere Rache an dem kleinem Menschenkind, dass seinen Stamm mit den Beinen umschlungen hatte und nach unten glitt. Ein großer, wunderschön geformter Holzsplitter, mit lustigen Zacken und Widerhaken versehen, drang in meinen Oberschenkel, nahe der Pobacke unter meine Haut.
Upps, nun hatte ich ein kleines Problem. Erstens stoppte der Holzspieß meinen lustigen Abrutscher und zweitens fuhr feuerheiß der Schmerz durch meine Nervenbahnen zum Gehirn.
Mein damals noch geringes Gewicht drückte den Spieß langsam immer tiefer in die fleischlichen Regionen. Leicht panisch drückte ich mich vom Stamm weg, der Splitter brach ab und ich in Tränen aus.
Nichts wie heim und von Mama diesen Holzklotz aus meinen Körper entfernen lassen.
Aber denkste: Mama, Onkel und ich weiß nicht mehr wer noch, versuchten es vergebens. Dafür schafften sie es aber, mich in eine lebende Sirene zu verwandeln.
Später habe ich das Krankenhaus bei der kleinen OP mit meiner hellen, wohlklingenden Stimme unterhalten. Glaubt mir: Schreien befreit. Es befreit vom Schmerz und von der kindlichen Peinlichkeit, allen diesen über mich lächelnden Krankenhaus-Splitteridioten mein nacktes Hinterteil unter die Nase halten zu müssen.

Irgendwann hat man mich auch vom Splitter befreit.