Vernatlantis und das Weserbergland

Verfolgen Sie die Geschichte eines alten Hauses und der neuen Besitzer. Lesen Sie Geschichten und Informationen aus einer kleinen aber lebendigen Gemeinde. Lernen Sie die Menschen, die Umgebung, die Städte und Flüsse kennen.   Erleben Sie unser VernAtlantis. Die Erlebnisse der ersten Jahre jetzt als Buch: Vernatlantis: ISBN-10: 3839107555

Bild_3Kapitel 29:
Kleines Geheimnis
27.10.07

Der Samstag beginnt grausam, - der Wecker rappelt um 6:30 Uhr. Gähn!

Wir haben heute noch einen Termin und müssen früh raus. Der Kaffee weckt die Lebensgeister nur mühsam.
Was wir heute vorhaben?
Tja, das bleibt vorerst unser kleines Geheimnis. Wenn ihr schön lieb seid, verraten wir es euch vielleicht später *LOL

Wir werden abgeholt. Allerdings kommt unser Fahrer verspätet an. Kann er aber nichts für, ist BMW -Fahrer. *kicher

***Aua, nicht hauen, war doch nur Spaß, du Fahrer du ***

2 Stunden später sind wir wieder in Vernatlantis. Der Müllcontainer wird sich heute noch gewaltig füllen, denn die Schubkarren fahren wieder und auch ich habe noch etwas Müll über.

Achim lag mit -Container zu groß geliefert- ganz schön daneben. Wir müssen aufpassen, dass der Container nicht zu klein wird *LOL

Die Schubkarren fahren, das sagt sich so leicht. Aber diese Schubkarren bringen nicht nur Sachen, die nicht mehr gebraucht werden in den Müllcontainer. Diese Schubkarren sind auch gefüllt mit vielen Jahren Leben und beiseite legen und mit Erinnerungen.

Denn Nachbarhäuser sind auch Elternhäuser, in denen Kinder erwachsen geworden sind.

Und auch erwachsenen Kindern fällt es manchmal nicht leicht einen Container mit Erinnerungen zu füllen.

So geht denn der Tag zu Ende und hüllt einen vollen Container in sanfte Dämmerung.

Marion und ich machen uns fertig und fahren zum Bistro essen.

Zurück geht es dann in totaler Dunkelheit. Die hellen Abende sind endgültig vorbei.

In der Bushaltestelle ist wieder der Bär los. Die Teans und Twens ziehen sich wieder mal voll und anscheinend stört das hier niemanden. Es wird gebrüllt, gesoffen und zwischendurch Auto und Motorrad gefahren.

Es weckt in mir Erinnerungen an meine Sturm- und Drangzeit. Unser Treffpunkt war „der Spielplatz“. Habe ich da auch gebrüllt und gesoffen? Ich denke, wenn ich jetzt nein sage würde ich lügen.

Nennen wir den rüden Haufen da unten deshalb einfach mal unsere Kids. Sie werden im Laufe der Zeit ihren Weg machen, wenn man ihnen nicht alle Perspektiven und Zukunftsträume nimmt.

Leider ist Deutschland auf dem Weg dahin, vielen jungen Leuten diese Träume zu nehmen. Sie wachsen auf mit Firmen, die ihre Väter zur Gewinnmaximierung entlassen, mit Schulabschlüssen, die ihnen keine Chance auf Ausbildungsstellen lassen, weil selbst das Handwerk dem Irrglauben verfällt, dass nur Abitur vernünftige Menschen erzeugt.

Sie wachsen auf in einer nicht mehr sozial abgesicherten Hartz 4 Gesellschaft, in der bestens ausgebildete Menschen zu 1 Euro Sklaven degradiert werden, anstatt der Wirtschaft mit ihrem Wissen zur Verfügung zu stehen.

Na ja, hebe ich mir meine Meinung lieber für später auf, wenn ich Kaiser von Deutschland bin und gehe ins Bett.

Sonntag versuche ich, die defekte und gekappte Elektrik für den Flur auf die Reihe zu bekommen. Leider ist das nicht mehr möglich und so rupfe ich das Holz von den Wänden, mache feine, schöne runde Löcher in den Rigips und ziehe meterweise Leitungen neu.

Denk Mal eben.