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Städte

Bild_9Hardegsen ist eine Kleinstadt im Landkreis Northeim im südlichen Niedersachsen, Deutschland. Die Stadt Hardegsen bezeichnet sich als das Tor zum Solling (siehe auch Naturpark Solling-Vogler) und ist von einem umfangreichen Wanderwegenetz umgeben. Die Stadt ist bekannt für ihre Fachwerkhäuser, die Burg Hardeg mit dem Muthaus, hat einen Wild- und Haustierpark sowie einen Campingplatz und war bis Ende 2010 staatlich anerkannter Luftkurort.

Den Beinamen „Eselstadt” trägt Hardegsen seit dem 17. Jahrhundert. Damals brauchten die meisten Einwohner Esel, um ihren Broterwerb zu sichern. Ihre Aufgabe war es, die Äcker auf den Hängen der umliegenden Berge zu bearbeiten, und die Esel leisteten ihnen dabei große Hilfe. Sie brachten den Stalldung bergauf zu den Feldern und die meist karge Ernte nach Hause.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

  • Ellermeiers Burgmannshof
    wurde in den Jahren 1977 bis 1982 komplett restauriert und beherbergt als Baudenkmal ein Geigenmuseum sowie eine Forschungsstätte für Theologie und altorientalische Kultur. Ellermeiers Burgmannshof ist der 2. Burgmannshof in Hardegsen. Der Initiator für die Erhaltung, Sanierung und Weiternutzung des nach ihm benannten Burgmannshofes, der Theologe Friedrich Ellermeier, wurde 1984 mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz und 1986 mit dem Paul-Dierichs-Preis ausgezeichnet.
  • Der Burgstall
    dient als Historisch Ökologisches Regionalmuseum und befindet sich auf dem Gelände der Burg Hardeg. Dort werden handwerkliche Traditionen des ländlichen Raums unter ihren historischen und ökologischen, ihren arbeitstechnischen und sozialen Aspekten vorgeführt. Seit 1999 gibt es in dem Gebäude zusätzlich die Museumsschule mit einem historischen Klassenzimmer. Kinder können dort in historischer Schulkleidung Schulunterricht vergangener Zeiten nachvollziehen und zum Beispiel Sütterlinschrift lernen.

Bauwerke

Erster Burgmannshof

  • Der erste Burgmannshof wurde 1292 erstmals erwähnt. Er wurde 1591 vom Kanzler Johannes von Jagemann erneut erbaut und erhielt fünf Geschosse. Die Größe des Baus vergegenwärtigt ein Kupferstich aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. 1678 brannte das das Gebäude mit der Feuersbrunst bis auf die massiven Grundmauern ab und wurde dann von der Familie von Pape erneut in der heutigen dreigeschossigen Form aufgebaut.
  • Zweiter Burgmannshof
    Der zweite Burgmannshof war der zweite Lehnshof in Hardegsen. Er liegt direkt an der Burg Hardeg und nannte sich damals der Hof vor dem Schlosse und gehörte bis 1402 der Familie von Reckhorst.

Rathaus

Als einer der repräsentativsten Gebäude in Hardegsen zählt das Rathaus, welches nach Johannes Letzner 1416 auf dem "Anger" errichtet wurde. Im Jahre 1573 erhielt es einen hözernen Vorbau mit einem Türmchen, jedoch verhinderte der große Brand 1678 dass das Rathaus heute in seiner ursprünglichen Form erhalten blieb. Unimttelbar am Rathaus angelehnt befand sich damals auch das Gildehaus, welches durch sein Niederbrennen dem Nachbargebäude enorme Schäden an der vorderen Mauerseite verursachte. Die obere Hälfte wurde abgebrochen und 1680 erhielt das Rathaus unter den Bürgermeistern Johann Domeier und Paul Sartorius an seiner Nordseite einen Anbau aus Fachwerk. Nach dem Brand verlor das Rathaus seinen imposanten Charakter und besaß einen eher veramten, nüchternen Stil, was sich dadurch ausdrückte, dass einige Räume nicht mehr nutzbar waren, während in anderen, wie beispielsweise dem Zimmer für die hiesige Legge 1777 völlige Dunkelheit vorherrschte. Fenster konnten nicht eingebaut werden, da man sonst das ohnehin schon mitgenommene Mauerwerk hätte durchbrchen müssen, was dem Gebäude eine erhöhte Instabilität eingebracht hätte. Unter dem Rathaus befindet sich der Ratskeller, der in seiner heutigen Gestaltung neueren Datums ist, aber bereits im 17 Jahrhundert, sollte man Letzner glaubten, existierte. Damals war Andreas Kulp Inhaber der Ratsschänke, bevor 1678 Henning Tekelenburg als Kellerwirt genannt wird, auf dem zwei Jahre später Christoph Preußer folgt. Nach mehreren Anläufen richtete man 1940 einen neuen Ratskeller ein. Das Rathaus wurde vor allem in der zweiten Hälte des 20. Jahrhunderts zu klein, sodass man es schließlich 1959 verkaufte un es in Privatbesitz überging. Besitzer wurde im April des Jahres der Pächter des Gebäudes Paul Haltenhof, der schon 1932 die Schlachterei und den Ratskeller übernommen hatte. 1960 fanden Umbauten am Gebäude statt, man brach das Kellergewölbe ab, entfernte die Treppen zum Eingang und errichtete, nachdem eine neue Betondecke aufgelegt wurde, eine Schlachterei. Die übrigen Räume wurden dermaßen umgebaut, dass das einstige Rathaus sich heute als Familienhaus präsentiert. Die Stadtverwaltung bekam ein neues Gebäude, da sie schon im Frühjahr 1952 in das neue "Ohlmersche Haus" umzog.

 

Burg Hardeg

Die im 12. Jahrhundert erbaute Burg Hardeg war der ehemalige Regierungssitz des Welfenherzogs Otto. Heute sind noch das Muthaus, das Hagenhaus und Teile der Burgmauer erhalten. Die Räumlichkeiten des Muthauses können besichtigt und für Feierlichkeiten und Veranstaltungen gemietet werden. Mit den Einnahmen wird der Erhalt der Burg finanziert. Der Rittersaal wird im Frühjahr und Sommer als Standesamt genutzt.

Stadtkirche St. Mauritius

Die Stadtkirche St. Mauritius wurde im Jahre 1423 von der Witwe des Herzogs Otto von Braunschweig, Herzogin Margarete, vollendet. Die St. Mauritius gilt als Nachfolgerin einer früheren Kirche, die wahrscheinlich an der gleichen Stelle ihren Standort hatte. Der Name des Heiligen St. Mauritius, der im 11. Jahrhundert häufig als Schutzheiliger für Kirchen gewählt wurde, deutet auf die ursprüngliche Kirche hin. Margarete ließ der Kirche zahlreiche Schenkungen und Güter zukommen und erhob sie zu einer ordentlichen Pfarrkirche. Ihrem Wunsch gemäß wurde sie in selbiger Kirche begraben, drei goldene Sparren um roten Felde bezeugen ihr Wappen, welches im Gotteshaus anzufinden ist. Ein weiterer Wohltäter der Kirche war auch der zweite Sohn Margaretes, Herzog Otto Cocles von Göttingen, der, in einem noch erhaltenen Schenkungsbrief von 1424, die mit der Kirche verbundene St. Georgskapelle vermachte "den Tegen von Berthiehusen over negen Hofe Landes, mit dree Ferndel Landes darfülves uppe der Felmark belegen, dat vor tyden gewest is Hillen von Lengede, mit einem Vorwerk to Thüdinghusen von dree Hofen Landes, dat von den von Rostorp verstatt unde verpent was den geistliken Jungfrawen to Höckeln, dat ingequitet unde gelost ist von Vormünden der Capellen, und mit alß denne Hufe to Hardegeßen tegen der Kerken Gebues oppe syne Stede, de da gewesen is Heinemann Tiefogel unde ime ofgekost von Vormünden sülver Capellen"[7]. In einer Urkunde aus dem Jahre 1439 bestätigte der Nachfolger von Otto Cocles, Wilhelm I. jene Schenkung.

Das heutige Bild der St. Mauritius Kirche wurde durch viele Anbauten und Restaurierungen geprägt. Ende des 15. Jahrhunderts wurde eine durch die Bürgermeisterfamilie Winkelmann privat finanzierte Kapelle angebaut. Mit der Reformation wurden die bisher drei Altäre ab- und umgebaut, damit erfuhr die Kirche eine Neuordnung. Der erste lutherische Gottesdienst wurde am 15. September 1540 in St. Mauritius gefeiert. In den Jahren 1579 und 1580 wurde die erste große Renovierung verzeichnet. 1747 galt das Kirchendach und der Glockenturm das erste Mal als baufällig. Der damalige Amtmann Wedemeier meldete: „Es scheint sehr erforderlich, daß das baufällige Kirchendach und der malade Kirchenthurm mit einer neuen Spitze versehen wird. Auch ist eine Reparation des gesambten Thurmes wohl unvermeidlich, weil sonst zu befürchten ist, daß beim Leuten oder einem starcken Windsturm die Glocken herabstürzen.“. Die Kosten der Sanierung konnten von der Kirche nicht bezahlt werden. Die Stadt Hardegsen zahlte die Differenz und wurde damit zum Eigentümer des Kirchturmes. Der eigentliche Umbau begann allerdings erst 18 Jahre später (im Jahre 1765) und dauerte 24 Jahre. Im Jahre 1789 ist der umfassende Umbau abgeschlossen und die Kirche erhielt damit ihren heutigen Grundriss. Erst in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde der Kirchturm von der Stadt an die Kirche zurückgegeben.

Weitere Renovierungen erfolgten:

  • 1861: König Georg von Hannover ließ die St. Georgskapelle und die darin befindlichen Kunstgegenstände renovieren
  • 1894 bis 1895: Die Außenmauern des Gebäudes wurden neu verfugt, die äußeren Pfeiler teils erneuert, teils verstärkt, der Chorraum wird um zwei Stufen erhöht
  • 1928 bis 1930: Umbau der Empore, gesamte Neuausmalung der Kirche mit Scraffito-Bild (Wanddekoration), Einbau der pneumatischen Orgel, Einbau der Ofenheizung
  • 1955 bis 1957: Renovierung
  • 1986 bis 1993: Das gesamte Gebäude mit dem Turm wurde von außen neu verfugt, die Kirche innen vermalt und eine neue Empore eingebaut. Mit dem Einbau einer Wand-Fußbank-Heizung (1993) endete diese Renovierung
  • Juli 2005: Abschluss der Restaurierung der Großen Glocke und der stark verstümmelten zwei kleinen Glocken und deren Einbau
  • November 2005: Abbau des Glockenturm-Daches zur Komplettsanierung. Damit mussten natürlich die zuvor eingesetzten Glocken ebenfalls wieder ausgebaut werden

Der Glockenturm Die Große Glocke der Kirche ist ca. 500 Jahre alt und wurde zusammen mit den kleinen Glocken 2005 restauriert. Dabei wurde festgestellt, dass die beiden kleineren Glocken aus dem 13. Jahrhundert stammen müssen. Das, was im Glockenturm der St. Mauritiuskirche hängt, ist im gesamten norddeutschen Raum eine echte Seltenheit, ein erhaltenes mittelalterliches Bronzegeläut.

Mit dem Einbau der restaurierten Glocken stellte sich heraus, dass der Glockenturm erneut baufällig ist. Der Turm wurde aufwändig saniert und das Geläut mit einer weiteren Glocke ergänzt.

 

Die Orgeln Seit dem 16. Jahrhundert ist die Geschichte der Orgeln in der St. Mauritius Kirche bekannt. Die erste spätgotische Orgel wurde 1511 errichtet. Es gibt allerdings kaum Überlieferungen, wie diese Orgel ausgesehen hatte. Die zweite Orgel, eine Barockorgel, fertiggestellt im Jahre 1784, war das Werk des Orgelbauers Johann Justus Hansen. Die Orgel galt 1927 in einem Gutachten als nicht mehr zu restaurieren und wurde 1930 durch eine pneumatische Orgel nach der Mahrenholzschen Disposition ersetzt. Der Bau der Orgel war allerdings von Anfang an ein technischer Fehlschlag. Als sie in der Adventszeit 1973 komplett versagte, da die Wicklungen des Motors durchschmorten, musste in Eile ein Elektronium angeschafft werden. Dieses Provisorium hielt sich von 1974 bis 1996.

Die jetzige Edskes Orgel, mit 1706 Pfeifen, wurde im Jahre 1996 von der Orgelbaufirma Bernhardt Edskes aus Wohlen, unter Verwendung des Orgelgehäuses von 1784 auf der neuen Nordempore in St. Mauritius errichtet. Die Spieltischanlage der Orgel wurde entsprechend der Skizze von Hansen gestaltet. Die Tastenbeläge, wie in der alten Beschreibung festgehalten, wurden aus Ebenholz und Elfenbein bzw. Knochen gemacht. Die gesamte Orgel wurde ohne Nägel und Schrauben aufgebaut. Es wurde nur riftgeschnittenes Massivholz von höchster Güte verarbeitet.

Wachturm

Nach der Verleihung der Stadtrechte 1383 durch den damaligen Landesherren Herzog von Braunschweig zu Göttingen Otto durfte Hardegsen den Ort mit einer Mauer befestigen. Die Stadtmauer wurde vermutlich um 1400 erbaut. Der renovierte Wachturm und der angrenzende kleine Teil der Stadtmauer vermitteln einen Eindruck über die Stärke der Festigung der Stadt im Mittelalter.

Wildpark

Der Wildpark wurde im Juni 1965 eröffnet und wird neben den Einwohnern Hardegsens auch von Bewohnern der umliegenden Bereiche Göttingen, Northeim und Uslar besucht. Ideell und materiell wird der Park seit vielen Jahren vom Förderkreis Wildgehege unterstützt.

Auf einer im Espoldetal gelegenen Fläche von rund 12 ha werden 20 verschiedene Tierarten mit etwa 150 Tieren vorgestellt. Neben den heimischen Schalenwildarten sind auch bedrohte Haustierrassen, wie z. B. Thüringer Waldziege oder Angler-Sattelschweine, zu beobachten. Eine besondere Attraktion für Kinder ist die Streichelwiese mit Zwergziegen, Hängebauchschweinen, Esel und Pony.

 

Wandern und Mountainbiken

In Hardegsen beginnt der Solling-Harz-Querweg.

2005 war Hardegsen an der Gründung der Mountainbikeregion Solling-Vogler beteiligt.