Abgemahnt Selten geht es um Recht, meist nur um Geld. Abmahnungen.

Jetzt wird wieder eine neue Tour durchgezogen.
Eine große Firma gibt eine Pressemitteilung (PM) über ein bekanntes Presseverteilernetzwerk heraus. Zu der PM wird ein Bild eingestellt. Das Bild hat kein Sperrvermerk oder eine Lizenzangabe, aber einen Quellenhinweis.
Rudi Presse (Name geändert/Name der Redaktion bekannt) findet die PM für seine Homepage gut geeignet und veröffentlicht den Artikel samt Bild auf seiner Web-Seite. Immerhin, so denkt Rudi ist eine Pressemitteilung ja zum Verteilen gedacht und eigentlich ist dem ja auch so. Firmen geben PMen heraus, um auf sich, neue Produkte oder einen Artikel in ihrer Zeitschrift etc. aufmerksam zu machen. Die Presse nimmt diese PMen auf und verarbeitet sie (deshalb nennt man die Dinger Pressemitteilung, also eine Mitteilung an die Presse). So findet die Mitteilung weite Verbreitung und der Herausgeber der PM hat einen nicht geringen und meist kostenlosen Werbeeffekt.
Einige Pressevertreter bearbeiten die PM redaktionell, andere übernehmen sie, wie sie

ist. So auch Rudi. Er stellt die PM mit Bild und den beigefügten Quellenhinweisen auf seine Page und untertitelt sogar das Bild mit dem Namen der Fotografin. Das war Anfang 2017, nun im Juni 2018 bekommt er eine Abmahnung einer Rechtsanwaltskanzlei im Auftrag der Fotografin. Es werden vorab schon mal die Gebühren des Rechtsanwalts genannt, fast 800 €. Eine Unterlassungserklärung mit Strafandrohung im Wiederholungsfall über fast 6000 € liegt auch bei. Angedroht wird ebenfalls die Zahlung der Lizenzgebühr der Fotografin und entsprechender Schadensersatz. Rudi schreibt einen Brief an die Fotografin und entschuldigt sich. Natürlich erhält er keine Antwort. Die Kanzlei lässt nicht locker, obwohl Rudi den Sachverhalt erklärt.
Rudi glaubt an das deutsche Rechtssystem und denkt, da es eine PM war, muss das wohl eine unlautere Abmahnung sein. So geht er zu einem Anwalt und fällt dort fast vom Stuhl, als der ihm erklärt, dass die Fotografin das darf, kann und vom Staat aus auch soll. Die PM spielt angeblich keine Rolle. Rudi versteht die Welt nicht mehr. Er schreibt an den Herausgeber der PM und an die große Zeitschrift, für die diese PM herausgegeben wurde und die dieses Bild in ihrer Zeitschrift abgedruckt hat (und die auch online als PDF-File herunterladbar ist – mit Bild). Bisher ohne Antwort.
Allerdings hat ihm sein Anwalt schon mal eine Rechnung für die Beratung gestellt, da setzte sich Rudi gleich nochmal hin. Einen Stundenlohn von fast 400 € wünscht er sich auch. Rudi fragt sich nun, wie er die Strafandrohung im Wiederholungsfall vermeiden soll, denn das Bild auf seiner Seite ist in den Suchmaschinen erfasst und kaum noch zu löschen. Vielleicht hat er es auch auf Facebook geteilt, was er aber nach einem Jahr nicht mehr weiß.
Übrigens: Die PM ist immer noch mit besagten Bild erreichbar (Stand 13.07.18).
Die PM kann ohne weiteres bei Facebook geteilt werden, wobei dann das Bild ohne Quellennachweis und Fotografennennung bei Facebook gepostet wird. Verantwortlich für die Veröffentlichung ist der Herausgeber, trotzdem wird Rudi abgemahnt. Wahrscheinlich ist er nicht der Einzige, der abgemahnt wird. Immerhin ist die abmahnende Kanzlei für Abmahnwellen bekannt.
Rudi meint, man hätte ihn kurz und kostenlos darauf aufmerksam machen können, dass er das Foto nicht nutzen darf, dann hätte er es sofort gelöscht. So wäre es fair gewesen. Aber fair ist bei Abmahnern nicht vorgesehen. Da sollte unser Staat einschreiten. Unverständlich ist für Rudi auch das Vorgehen der Fotografin, die anscheinend eine gute zusätzliche Einnahmequelle gefunden hat. Ob das ihrem guten Ruf zuträglich ist, lassen wir mal dahingestellt. Sicher hätte sie sich mit Rudi auch einvernehmlich und ohne Anwalt einigen können.
Wir werden berichten, was dem guten Rudi jetzt noch so alles anspringt.

 

Online

Aktuell sind 1185 Gäste und keine Mitglieder online

Click to listen highlighted text! Powered By GSpeech