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Andreas Bohnenstengel CC-BY-SA-3.0-DEStudie der Frankfurt UAS entwickelt Modelle zur nachhaltigen Demontage von Ersatzteilen, die in Werkstätten für Menschen mit Behinderung logistisch umsetzbar wären

Kostendruck, zunehmender Wettbewerb, immer kürzer werdende Produktlebenszyklen und die Forderung nach Schonung der Ressourcen zwingt Unternehmen – etwa aus der IT- und Telekommunikationsbranche – nach neuen Wegen zu suchen, die Funktionsfähigkeit abgesetzter Primärprodukte auch nach Ende der Produktion sicherzustellen. Werden Geräte nicht mehr produziert, müssen Ersatzteile aus der Demontage von Altgeräten beschafft werden, um Reparaturen zu ermöglichen. Dies geht mit hohen Transportkosten und hoher Umweltbelastung einher, da dieser Prozess häufig in Asien erfolgt. Eine Möglichkeit für eine effiziente und nachhaltige Ersatzteilgewinnung und -logistik innerhalb Deutschlands könnte die Zusammenarbeit mit Behindertenwerkstätten sein. Prof. Dr. Susanne Koch, Professorin für Betriebswirtschaftslehre am Fachbereich Wirtschaft und Recht der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), hat hierzu gemeinsam mit der Behindertenhilfe Bergstraße das Projekt „Inklu.Log“ durchgeführt. Ziel war es, eine Machbarkeitsstudie zur Demontage von Ersatzteilen aus Altgeräten durch Werkstätten für Menschen mit Behinderungen zu erarbeiten.

„Bei Inklu.Log haben wir uns nicht nur mit betriebswirtschaftlichen Zielen befasst, sondern auch überlegt, wie wir Menschen mit Behinderungen eine sinnvolle Beschäftigung geben können, die ihre Kompetenzen fördert. Die Demontage der Ersatzteile innerhalb Deutschlands in diesen Werkstätten durchführen zu lassen, ist ressourcen- und umweltschonender, somit auch kosteneffizienter. Zudem bietet diese Arbeit interessante Aufgabenfelder, die die Beschäftigten nicht überfordern“, erklärt Koch. Für diese und weitere Aspekte wurden in der Studie verschiedene Prozessmodelle erarbeitet. Neben den ökonomischen, ökologischen, soziologischen und rechtlichen Rahmenbedingungen wurden vor allem Einflussfaktoren aus Sicht von Geräteherstellern und Werkstätten untersucht.

In exemplarisch durchgeführten Erhebungen und Interviews mit Werkstattleitenden stellte sich heraus, dass die Demontage von Ersatzteilen innerhalb von Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen sehr gut möglich sei, wenn die Primärgeräte den nötigen Anforderungen entsprechen. Diese ergeben sich aus der Situation in den Werkstätten sowie den unterschiedlichen Kompetenzen der Mitarbeitenden. Daher sind Produktvolumen, -gewicht und -größe der Altgeräte beschränkt und müssen individuell im Vorfeld abgestimmt werden. Um Einarbeitungsphasen kurz zu halten und eine gute Planbarkeit zu ermöglichen, sollten die unterschiedlichen Produkte einen ähnlichen Aufbau haben. Die Demontage muss sich in mehrere Arbeitsschritte aufteilen lassen, da die Feinarbeiten meist nur von wenigen Mitarbeitenden übernommen werden können. Auch sollten die Geräte keine gesundheitsgefährdenden Stoffe enthalten. Da viele Werkstätten bereits über Erfahrungen in der Montage verfügen, ist eine Demontagetätigkeit nach einer umfassenden Planung und spezifischen Einarbeitung gut zu realisieren. „Absatzwirtschaftliche Verbundeffekte treten auf, wenn Anwender bei einer Kaufentscheidung die Qualität der Ersatzteillogistik berücksichtigen. Können Ersatzteile über den marktüblichen Zeitraum hinaus bereitgestellt werden, wirkt sich das positiv auf das Image des Unternehmens aus“, betont Koch. Dieses positive Image könne verstärkt werden, wenn Unternehmen ihre gesellschaftliche und soziale Verantwortung auch dadurch herausstellen, dass sie Menschen mit Behinderung beschäftigen bzw. Teilaufträge an die entsprechenden Werkstätten vergeben.

Der abgeschlossene Bericht zur Machbarkeitsstudie liegt vor. „Gerne möchten wir das Projekt nun praktisch umsetzen. Unternehmen, die eine nachhaltige und kosteneffiziente Ersatzteillogistik betreiben möchten, können sich hierfür mit uns in Verbindung setzen. Die Behindertenhilfe Bergstraße hat sich bereits als Pilot-Werkstatt angeboten mit uns die Testphase zu beschreiten“, berichtet Koch.

In Deutschland gibt es rund 700 Werkstätten die insgesamt rund 300.000 Menschen mit Behinderung beschäftigen. Sie engagieren sich in den letzten Jahren verstärkt im Dienstleistungsbereich. Sie müssen sich den marktwirtschaftlichen Anforderungen durch Kooperationen im Sinne einer gelebten Inklusion stellen. Diese Einrichtungen sollen Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben teilhaben lassen und sie in den Alltag der Gesellschaft integrieren. Zu ihren Zielen gehören unter anderem die Weiterentwicklung der Persönlichkeit der Menschen mit Behinderungen sowie deren Eingliederung ins Arbeitsleben. Zudem wird der Übergang geeigneter Personen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gefördert.

Frankfurt University of Applied Sciences
Bild: Andreas Bohnenstengel, CC-BY-SA-3.0-DE

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