Pirna

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Kreisstadt in Sachsen.

Besonders sehenswert ist das Gebiet der historischen Altstadt um Markt und Marienkirche. Sitznischenportale, Brunnenbecken und eine von ehemals drei vor den Stadttoren errichteten kursächsischen Postdistanzsäulen aus der Breiten Gasse (heute: Breite Straße / B 172), die Canaletto auf einem bekannten Gemälde darstellte, sind auch Zeugen des Gewerbes mit dem Sandstein.

Das 1396 erstmals erwähnte Rathaus mit gotischen Fenster- und Türbögen im Erdgeschoss ist vom ersten Stock bis zu den Volutengiebeln von der Renaissance geprägt (Umbau 1555/56). Der zierliche, 1718 ersetzte barocke Turm mit seiner Doppellaterne steht in reizvollem Kontrast zu dem massigen Turm der nahen Marienkirche. Auf der Ostseite schlagen unterhalb der Mondphasenuhr die Wappenlöwen viertelstündlich gegen den Birnbaum. Direkt gegenüber liegt das durch die Pirnaer Vedutenserie des Malers Canaletto berühmt gewordene „Canalettohaus“. Das 1520 erbaute Haus zeigt den Übergang von der Gotik zur Renaissance und beherbergt heute die Touristeninformation.

Weitere interessante Häuser sind die Löwenapotheke, das Marienhaus und gegenüber ein Gebäude mit spätgotischem Kielbogenportal (Am Markt 3). Die spätgotische dreischiffige Hallenkirche St. Marien wurde zwischen 1502 und 1546 über einem Vorgängerbau errichtet und beeindruckt durch ihre Größe. Ihr mächtiger Turm mit barocker Turmhaube beherbergt seit 1994 wieder das einzige (seit 2003 neben der Dresdner Frauenkirche) siebenstimmige Geläut in der Sächsischen Landeskirche. Neben dem zehn Meter hohen sandsteinernen Altarrentabel und dem bereits von Goethe bewunderten Taufstein mit 26 kleinen Kinderfiguren, stellen die figuralen Gewölbemalereien mit ihren vielen biblischen Szenen ein einmaliges Kleinod sakraler Malerei im Zeitalter der Reformation dar.

Neben der Kirche findet sich die rekonstruierte Mägdleinschule (Kirchplatz 10) aus dem 15. Jahrhundert, in der heute das Kuratorium Altstadt Pirna e. V. seinen Sitz hat. Unweit von hier befindet sich die Alte Knabenschule (Obere Burgstraße 14) mit dem an der Ostwand befindlichen 1908 neu errichteten Erlpeterbrunnen. Der Name soll sich von der früheren Inschrift eines bereits 1384 hier befindlichen Brunnens abgeleitet haben: „ex petra“ (aus dem Felsen). Direkt gegenüber hängt der Teufelserker (Obere Burgstraße 1) mit den drei teuflischen Tragefiguren und der Inschrift: „ICH WOLDS SO HABEN WAS FRAGSTU DARNACH“. In Sichtweite liegt das auf 300-jährigen Resten Mitte des 16. Jahrhunderts errichtete ehemalige Blechschmidthaus (Niedere Burgstraße 1) mit Volutengiebel, gotischem Wendelstein und farbiger Renaissance-Balkendecke. Das Haus des ehemaligen Baumeisters ist heute ein Hotel.

Zu den sehenswerten Bauten in den vom Markt abgehenden und nach Gewerken genannten Gassen gehören das Rochowsche Haus (Schössergasse 3) mit barocker Fassadenmalerei, das rekonstruierte Tetzelhaus (Schmiedegasse 19) mit in Europa einmaliger gotischer Bohlenstube und das Engelserkerhaus (Barbiergasse 10) mit dem Erker und bemalten Holzbalkendecken der Renaissance. Hinter dem reich verzierten Renaissanceportal der heutigen Stadtbibliothek (Dohnaische Straße 76), befindet sich neben der Haushalle auch ein historischer Innenhof mit Laubengängen und Teilen der 700 Jahre alten Stadtmauer. Das um 1300 gegründete Dominikanerkloster mit architektonisch bemerkenswerten Kreuzrippengewölben in Kapitelsaal und 1. Obergeschoss beherbergt heute das Stadtmuseum. Direkt nebenan steht die sanierte zweischiffige gotische Klosterkirche St. Heinrich (kath.) mit bedeutenden Resten 600-jähriger Seccomalereien.
Weitere sehenswerte Orte sind: das spätgotische Bürgerhaus, welches 1719 für den Sohn August des Starken und seiner Braut im Stil des Dresdner Barock als „Herrschaftslogier“ umgestaltet wurde (Lange Straße 10), die Frohnfeste mit der Stadtgalerie (Schmiedestraße 8), die Siedlung der ehemaligen Steinbrecher Am Steinplatz, die Burganlage Sonnenstein mit der Gedenkstätte, und viele mehr. Am Tag des offenen Denkmals werden eine Vielzahl bauhistorisch interessanter Gebäude, Höfe und Keller zur Besichtigung freigegeben.

In den eingemeindeten Ortsteilen liegen weitere Sehenswürdigkeiten, wie das Richard-Wagner-Museum in Graupa, das größte Richard-Wagner-Denkmal der Welt im Liebethaler Grund oder das über 450 Jahre alte Landschloss Zuschendorf (dem ehemaligen Stammsitz der Familie von Carlowitz) mit Hortensien-, Bonsai-, Efeu- und Kameliensammlung.

Westlich der Innenstadt wurde 1997–1999 eine neue Elbbrücke, die Sachsenbrücke, errichtet. Sie ist mit 1071,5 m die längste Straßenbrücke Sachsens