07 Ottweiler und brennende Berge
05.10.13

Ottweiler_1Heute scheint es das Wetter nicht so gut mit uns zu meinen. Es nieselt vor sich hin. Für heute haben wir uns einen Besuch in Ottweiler vorgenommen. Das kleine idyllische Städtchen liegt an der Blies. Die Altstadt ist wirklich hübsch und für uns spielt sogar ein Spielmannszug auf. Okay, nicht für uns. Es wird gespielt, weil gerade eine Straße eingeweiht wird. Wir schlendern durch den Rosengarten, dessen Blüten leider zu dieser Jahreszeit schon vom Winde verweht sind. Vom Alten Turm der evangelischen Kirche, der als Bergfried erbaut wurde, ertönt ein Glockenspiel.

Ottweiler ist wirklich sehenswert, allerdings nimmt uns das fiese Wetter ein wenig die Lust zum Wandeln.
Kurz nach 10 Uhr beenden wir deshalb unsere Stadtbesichtigung und begeben uns auf den Weg nach Saarbrücken. Die Landeshauptstadt möchten wir natürlich nicht links liegen lassen.

Ein Schild am Straßenrand weckt Marions Interesse. Brennender Berg steht auf dem Hinweisschild. Brennende Berge? Heh, ansehen denke ich so vor mich hin und ahne nicht, dass ich mir damit wieder einmal selber eine Bergwanderung andrehe.

Brennender Berg_3Ein kleiner Parkplatz beendet unsere Anfahrt. Von nun an geht es zu Fuß bergauf. Und verdammt steil bergauf. Wildnispfade mit Geröll, ich liebe sie. Da, Rauch in Sicht, nein, doch nicht, nur Nebelschwaden, die durch den Wald ziehen. Der Nieselregen begleitet uns den Berg hinauf. Oben angekommen, sehen wir aber immer noch keinen brennenden Berg. Also weiter hinein in die Wildnis. Hund Tobi findet die Tour unglaublich erfreulich und stürmt hin und her. Ich stürme weniger. Vorbei an umgestürzten Bäumen, nähern wir uns einer Felsenwand. Eine Tafel verkündet – hier brennt der Berg.

Mist, der Nieselregen muss das Ding gelöscht haben, denn hier brennt nichts. Von den früher aus den Felsspalten dringenden Rauchsäulen ist jetzt nichts mehr zu sehen.

Umsonst der Steilheit Wege getrotzt, der kalten Nässe die Stirn gezeigt. Es brennen nur die Hämorrhoiden. *LOL

Der Brennende Berg brennt etwa seit dem 17 Jahrhundert. Ein Kohleflöz soll damals in Brand geraten sein und glimmt seither vor sich hin. An der schluchtartige Rauch- und Wärmeaustrittsstelle stehen wir nun und haben Pech. Die Witterung lässt uns keinen Rauch sehen. Der alte Goethe hatte da 1770 mehr Glück:

Brennender Berg_6...Wir traten in eine Klamme und fanden uns in der Region des brennenden Berges. Ein starker Schwefelgeruch umzog uns; die eine Seite der Höhle war nahezu glühend, mit rötlichem, weißgebranntem Stein bedeckt; ein dicker Dampf stieg aus den Klunsen hervor und man fühlte die Hitze des Bodens auch durch die starken Sohlen...“
(Aus Dichtung und Wahrheit – J.W. von Goethe)

Wir fühlen die Hitze des Bodens durch unsere durchweichten, nassen Schuhe nicht. Vielleicht glühen aber Tobis Pfoten und er düst deshalb so hin und her *ggg