Kein Schloss – kein Rotwild

Rotwild- wo?_1Von der Natur berauscht entführt mich mein Schatz an ein lauschiges Plätzchen in der Einöde. Mitten in weiten Feldern steht ein Hinweisschild, das mir zu denken gibt. „Verlassen Sie nicht die Wege, Lebensgefahr.“, lese ich leise vor mich hin. Hier kann überall Munition herumliegen, denn hier befand sich bis 2005 der Truppenübungsplatz Vogelsang. Will mich Marion schon wieder umbringen? *Scherz

Jetzt gehört die Dreiborner Hochfläche, auf der wir soeben gelandet sind, zum Nationalpark Eifel. Hier oben gibt es irgendwo eine Rotwild- Aussichts- Empore.

 Schauen wir Rotwild.

 Auf der Hochfläche ist es still und nur vereinzelt zwitschern die Vögel. In der Ferne brummt leise ein Trecker, der eine Staubwolke hinter sich aufwirbelt. Panzersperren machen die Stille unheimlich. Die Empore finden wir schnell, Rotwild dagegen nicht, denn wir sind zur falschen Zeit hier.

 Also kein Rotwild schauen.

Rotwild- wo?_4Kein Mensch, kein Tier – nur wir scheinen die Dreiborner Höhe mit Leben zu füllen. Doch da meldet sich Marion: „Hier sind deine Rehe“, ruft sie mir vom Seitenweg zu. Geschwind eile ich zu ihr, die Kamera gezückt, die Augen in die Ferne gerichtet und sehe - - -

KÜHE.

Ein schadenfrohes Grinsen in Marions Gesicht sehe ich ebenfalls.

Rotwildlos lassen wir die einsamen Höhen hinter uns und steuern Schloss Schleiden an, das sich allerdings als Seniorenheim entpuppt. Uns fasziniert die Stahltreppe zum Restaurant und noch mehr die Behindertengerechte Anlage daneben. Wir fragen uns, mit welcher Geschwindigkeit ein Rollstuhlfahrer unten durch die Wand schlägt, wenn er oben die Sprungchance mutig genutzt hat.