10 Lämmerlich

Sitzecke im TreppenhausNachdem wir unser Schlösschen gefunden haben, können wir frohen Herzens zum Menüfassen übergehen. Also zurück in Forsthaus und essen gehen. Heute gibt es als Hauptgericht Kassler mit Sauerkraut. Nach der Vorspeise kommt mein Tellerchen auf der Hand eines jungen Kellners angeflogen. 2 Scheiben Fleisch schauen mich verführerisch an und so schlemmer ich die erste Kasslerscheibe genüsslich in mich hinein.
Die unter der ersten Scheibe versteckte zweite Scheibe Kassler sieht etwas eigenartig aus und ich probiere erst einmal vorsichtig. Ih, entweder verdorben oder verarscht. Marion probiert und meint, „ Das ist Lamm“. Sie begutachtet ihre zweite, versteckte Scheibe auf ihrem Teller und auch bei ihr findet sich der Lammbraten vom Ostermontag.

Ich hole mir den jungen Kellner heran und mache auf das Unding aufmerksam und bitte um eine neue Scheibe Kassler. Der junge Mensch entschwindet und kommt kurz darauf mit einer niederschmetternden Nachricht wieder an unseren Tisch: „Klöße und Sauerkraut können Sie noch haben, aber Kassler gibt es nicht“.

Mir fallen bald die Backenzähne aus und meine Halsschlagader schwillt leicht an.

Hier purzeln gerade die Pluspunkte und es gibt erhebliche Abzüge in der B-Note für Küche und Service. Schade, wo doch bisher alles so perfekt gelaufen ist.

Wir begeben uns mit unseren Tischnachbarn, Rainer und Frau auf die Terrasse und trinken noch gemütlich ein paar Tässchen Flüssigkeit. Es wird fröhlich gequatscht und die Dunkelheit bricht herein, wobei dies Ostern relativ früh von statten geht. Unser junger Servicemensch erscheint und meint: „Möchten Sie noch bestellen, ansonsten muss ich das Licht löschen“. Da meine Backenzähne ja schon vorhin herausgefallen sind, folgen nun die Eckzähne. Wir verabschieden uns und entschwinden ins Zimmer.
Da hat das Forsthaus heute aber voll den Servicenotstand ausgerufen.

Ich finde das echt lämmerlich, eh, jämmerlich.