03.08.12
Kapitel 9

Auszug in den Tempel

Bild_2Der Morgen lacht und wir müssen heute das Hotel wechseln. Das nächste Sonderangebot in Sachen Hotel wartet auf uns. Allerdings sind wir jetzt zeitlich etwas eng bestückt und wir müssen unseren Wagen erst einmal in der Straße beim Hotel Klassik lassen, damit wir pünktlich zum Pergamonmuseum kommen. Wir möchten unsere sieben Sachen aber ungern im Wagen lassen. Das Klassik schafft da für uns Abhilfe und stellt uns einen Aufbewahrungsraum für unsere Koffer zur Verfügung. So checken wir zwar aus aber kommen später wieder zum Koffer abholen.

Die S-Bahn bringt uns wieder zur City und die Brücke zur Museumsinsel, an die mich meine Holde gestern vorbeiführte, lacht mich heute an. Die Baustelle auf der Brücke lacht auch, allerdings lacht die mich aus, denn auf Grund der Baustelle ist die Brücke gesperrt. Immerhin kennen wir ja schon die Ausweichstrecke – Tag ihr nackten Mauerblümchen – hallo Eisdielen – segne dich, Dom.

Der Eingang naht, gegrüßt seist du, mein Pergamon. Da wir im Internet vorbestellt und auch schon bezahlt haben, juckeln wir durch den Eingang und dürfen gleich in die Sonderausstellung von Yadegar Asisi. Seit 2003 realisiert er riesengroße Panoramen. Die baut er in Panometer (von Panorama und Gasometer) auf. Hier in Berlin hat er das antike Pergamon zum Thema genommen. Bevor wir uns das große Rundbild ansehen können, müssen wir erst einmal etliche Treppen erklimmen. Dann befinden wir uns in luftiger Höhe auf der Aussichtsplattform in der Mitte des Panoramas. Um uns herum liegt Nacht über Pergamon. Musik erfüllt den Raum. Dann wird der Sonnenaufgang simuliert, das Panoramabild erhellt sich und gibt den Blick frei auf das Pergamon des Jahres 129 n. Chr. Auf 25 Meter Höhe und 103 Meter Länge können wir nun den Burgberg, die Bauten, Gärten, Feste und vieles mehr erblicken. Langsam gehen wir rund herum und bestaunen das riesige Rundbild.

Als es nach ein paar Minuten wieder Nacht wird über Pergamon, schreiten wir die Treppen hinab und betrachten das Bild von unten. Von hier wirkt es nicht so grandios.

Durch die Eingangshalle nähern wir uns der Treppe ins Museum. Da wir sehr früh einmarschieren, können wir uns noch ziemlich frei bewegen und umsehen. Mit dem Audiophon um den Hals betreten wir die Halle mit der großen Treppe. Die Stimmen der Besucher hallen durch den Saal. Ein toller Klang, wie in einer Halle, hah.

Die Treppenstufen sind höher als normal. Da heißt es, schön die Knie beugen und wieder durchstrecken. Wir erreichen die Etage mit den himmelblauen Toren und ab jetzt heißt es Geschichte sehen, erfassen, bestaunen und natürlich fotografieren.

Die Zeit fliegt mit uns durch das Pergamonmuseum und ruck zuck ist es Mittag, als wir uns langsam wieder der großen Halle nähern.In der Halle dröhnt der Hall, denn sie ist inzwischen mit Menschen vieler Nationen gefüllt.

Meine Kamera hat jetzt 280 Bilder mehr im Speicher und die beiden Geschichtsentdecker haben Durst. In der kleinen Getränkeecke können wir diesen beseitigen.

Als wir das Pergamonmuseum verlassen, wandern wir an einer langen Menschenschlange vorbei, die auf Einlass ins Museum wartet. Daher unser Tipp: Im Internet die Eintrittskarten schon vorher ordern, dann könnt ihr lächelnd an der schimpfenden Menge vorbeigehen. Wer einen Kleinkrieg auslösen möchte, streckt der Menge den Mittelfinger raus. Das könnte allerdings zur Folge haben, dass ihr nicht im Pergamonmuseum landet, sondern im Krankenhaus.