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Fritzlar

ist eine Kleinstadt und ein wirtschaftliches Mittelzentrum im Schwalm-Eder-Kreis in Nordhessen (Deutschland).
Als Dom- und Kaiserstadt gilt sie als der Ort, an dem sowohl die Christianisierung Mittel- und Norddeutschlands (mit dem Fällen der Donareiche im Jahr 723 durch Bonifatius), als auch das mittelalterliche Deutsche Reich (mit der Wahl von Heinrich I. zum König der Deutschen auf dem Reichstag von 919) ihren Anfang nahmen.

Der Name Fritzlar ist abgeleitet von der ursprünglichen Bezeichnung Friedeslar = Ort des Friedens.

Fritzlar liegt im nordhessischen Bergland südlich des Habichtswalds und östlich des Kellerwalds etwa 25 km (Luftlinie) südwestlich der Großstadt Kassel. Es befindet sich unweit östlich der Einmündung der Elbe in die Eder am Nordufer dieses Fulda-Zuflusses.

Die nähere Umgebung der Stadt ist durch fruchtbare Ackerböden und zahlreiche, meist bewaldete Basaltkuppen geprägt, von denen viele mit mittelalterlichen Burgen oder deren Ruinen „gekrönt“ sind; dazu gehören unter anderem Gudensberg, Homberg, Felsberg, Burg Heiligenburg, Altenburg (Ortsteil von Felsberg), Jesberg und Naumburg.

Neben der Kernstadt Fritzlar selbst gibt es die Stadtteile Cappel, Geismar, Haddamar, Lohne, Obermöllrich, Rothhelmshausen, Ungedanken, Wehren, Werkel und Züschen. All diese Stadtteile wurden während der Gemeindegebietsreform zwischen 1970 und 1974 eingemeindet. Ungedanken und Rothhelmshausen waren geschichtlich eng mit Fritzlar verbunden, da beide seit dem 14. Jahrhundert zur kurmainzischen Enklave Fritzlar gehörten. Züschen war bis zu seiner Eingemeindung nach Fritzlar eine selbständige Stadt im Kreis und ehemaligen Fürstentum Waldeck. Die anderen Dörfer waren historisch hessisch.

Der mittelalterliche Stadtkern ist von einer weithin intakten, allerdings schon seit dem 18. Jahrhundert auf etwa zwei-drittel Höhe geschleiften 2,5 km langen Stadtmauer umringt, die 7,5 bis 10 m hoch und durchschnittlich 3 m dick und an strategischen Stellen von Türmen gekrönt und an insgesamt fünf Stellen mit Hurden verstärkt war. Mit 37 m Höhe ist der 1274 erstmals erwähnte „Graue Turm“ der höchste noch stehende städtische Wachturm in Deutschland. Die städtischen Wehranlagen wurden allerdings schon seit dem Siebenjährigen Krieg aus finanziellen Gründen und wohl auch wegen ihrer gegen moderne Artillerie zunehmenden Nutzlosigkeit vernachlässigt. Nur am Grauen Turm ist ein kurzes Stück der ehemaligen Mauerkrone mit Wehrgang zu sehen, das in den 1980er Jahren wieder hergerichtet wurde. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die meisten Stadttore abgebrochen, da sie den Verkehr behinderten: das Hospitaltor 1823, das Werkeltor 1829, das Fleckenborntor (am Fusse des „Ziegenbergs“) 1834, und der Torturm des Haddamartors 1838. Von den einst 23 Wehrtürmen stehen heute nur noch zehn: Frauenturm, Grauer Turm, Grebenturm, Rosenturm, Jordanturm, Regilturm, Turm am Bad, Bleichenturm, Kanzel und Winterturm (die vier letzteren als Teil der Mauer um die sogenannte Neustadt). Lediglich Turmstümpfe bestehen noch von: Alter Turm, Kalars, Petersturm, Nadelöhrturm, Zuckmantel, Steingossenturm und Pavillon sowie von zwei namenlosen Türmen. Die der Mauer vorgelagerten Wallgräben sind heute, bis auf geringe Reste an der Westseite, fast vollständig verschwunden.

Das Rathaus, mit einem Steinrelief von 1441 des St. Martin, des Schutzheiligen der Stadt, ist das älteste urkundlich erwähnte Amtshaus in Deutschland (1109). Die gotische Kirche des ehemaligen Franziskanerklosters ist heute evangelische Gemeindekirche, während die übrigen Gebäude des Klosters in ein modernes Krankenhaus („Hospital zum Heiligen Geist“) umgewandelt worden sind. Das Krankenhaus umfasst alle Fachdisziplinen eines Akutkrankenhauses. Innere, chirugische, gynäkologische, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde werden heute betrieben. Viele Stadthäuser, insbesondere um den Markt herum, stammen aus dem 14. bis 17. Jahrhundert und sind sorgsam restauriert, und der Marktplatz bietet heute eine malerische Kulisse für Freiluftrestaurants und Cafes.

Das Stadtbild wird überragt von dem so genannten Dom, der romanisch-gotischen „Stiftskirche St. Peter“, die von etwa 1085 bis 1118 an der Stelle einer kleineren von St. Wigbert errichteten steinernen Basilika erbaut wurde und zwischen 1180 und 1200 noch einmal erheblich umgebaut wurde. Abgesehen von im Lauf der folgenden Jahrhunderte vorgenommen kleineren An- und Umbauten erhielt die Kirche damals ihr heutiges Erscheinungsbild. Der Dom ist seit 2004 päpstliche Basilika (Basilica minor).

Außerhalb der Stadt stehen noch heute fünf der ehemals sieben Warten, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bzw. 1425 (Galbächer Warte) als Wachposten und, mit ihren Ringmauern, als Zufluchtsorte erbaut wurden und teilweise durch Landwehren miteinander verbunden waren: Obermöllricher (Unröder) Warte, Galbächer (Galberger) Warte, Eckerichswarte, Hellenwarte und Kasseler Warte (in deren Nähe der kaiserliche General Piccolomini 1640 sein Feldherrenzelt stehen hatte). Die Auewarte wurde 1937 beim Bau des Militärflugplatzes abgerissen; die Holzheimer Warte verfiel schon im 18. Jahrhundert.

Die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 724 geht auf Bonifatius (Winfrid) zurück, der ein Jahr zuvor bei Geismar (heute ein Stadtteil von Fritzlar) die Donareiche fällen ließ. Die romanisch-gotische Stiftskirche St. Peter, im Volksmund meist Dom genannt, aus dem 12. bis 14. Jahrhundert steht der Überlieferung nach an der Stelle, wo Bonifatius, Apostel der Deutschen, in Jahr 724 n. Chr. eine Kapelle aus dem Holz der von ihm gefällten Donareiche errichten ließ. Die Eiche war vom örtlichen Stamm der Chatten dem Donar (Thor) geweiht und eines der wichtigsten germanischen Heiligtümer. Bonifatius ließ sie fällen, um den Chatten die Überlegenheit des christlichen Gottes zu demonstrieren. Dieses Ereignis kennzeichnet gemeinhin den Beginn der Christianisierung der mittel- und norddeutschen Stämme. Da es unwahrscheinlich ist, dass Bonifatius das Holz weit tragen ließ, und da er sicherlich den Ort des heidnischen Heiligtums nicht zum Wiederaufleben des Donarkultes verfügbar lassen wollte, ist es höchstwahrscheinlich, dass die Donareiche auf dem Hügel stand, wo heute der Dom steht.

Für seine Missionsarbeit im nordhessischen und von Chatten besiedelten Grenzgebiet zwischen Franken und Sachsen hatte Bonifatius auf der fränkischen Büraburg, auf einem Hügel am Fritzlar gegenüberliegenden Südufer der Eder, seine Basis. Um die Missionierung voranzutreiben, erhob er Büraburg zum Bistum, dem ersten in Deutschland östlich des Limes. Nach dem Tod von Witta, dem ersten und einzigen Bischof (beigesetzt in der Abtei Hersfeld), wurde das Bistum nicht neu besetzt, sondern von Lullus, dem Schüler und Nachfolger Bonifatius' als Erzbischof von Mainz, in das Erzbistum Mainz eingegliedert. Fritzlar spielte seitdem in der Organisation des Mainzer Erzbistums eine wichtige Rolle: der Propst des Stiftes St. Peter war gleichzeitig Vorsteher eines Archidiakonats, einer damaligen Organisationseinheit von Diözesen.

Das von Bonifatius 724 gegründete Benediktinerkloster in Fritzlar entwickelte sich unter dem Abt Wigbert zu einem in der Folgezeit bedeutenden Zentrum kirchlicher und weltlicher Gelehrsamkeit. Die Klosterschule erhielt 731 die älteste deutsche Schulordnung. Karl der Große, aus dessen Zeit auch die erste Kaiserpfalz in der Stadt stammt, verlieh dem Kloster Reichsschutz und erhebliche Ländereien, und mit der Erhebung zur Reichsabtei im Jahre 782 begann die schnelle Entwicklung der umliegenden Siedlung zur Stadt. Das Kloster wurde 1005, nachdem seine ihm von Bonifatius zugewiesene Missionsaufgabe erfüllt war, in ein Kollegiatstift umgewandelt. Die Stiftsherren lebten nicht mehr in klösterlicher Gemeinsamkeit, sondern in ihren eigenen Häusern, den Kurien, von denen einige beachtenswerte aus dem 14. Jahrhundert noch heute das Stadtbild zieren. Das Stift wurde erst 1803 im Zuge der allgemeinen Säkularisation aufgelöst. Sein berühmtester Schüler war der Dichter Herbort von Fritzlar, der um 1200 lebte.

Die Stadt ist vor allem ein Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum, mit öffentlichen und kirchlichen Behörden, einem Amtsgericht, Schulen, Krankenhaus, usw. Dazu kommen Einkaufszentren, Läden, Restaurants, Kinos, Sportstätten, Reparaturbetriebe, Ärzte und andere private Dienstleister. Fritzlar zählt dank seiner malerischen Innenstadt und des Einkaufszentrums „Domstadt-Center“ zu den beliebtesten Einkaufsstädten der Region.

Größter Arbeitgeber ist die Bundeswehr. Danach folgt eine Konservenfabrik der Firma Hengstenberg, die insbesondere Sauerkraut, Rotkraut, Gurken, Essig und feinsaure Gemüsespezialitäten herstellt. Das Gebiet um Fritzlar ist eines der Hauptanbaugebiete für Weißkohl in Deutschland, und der Betrieb in Fritzlar ist die weltgrößte Sauerkrautfabrikation.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

 

Theater

  • SCALA Varieté Theater im historischen Baudenkmal

 

Museen

  • Geschichts- und Heimatmuseum im Hochzeitshaus
  • Dommuseum mit Domschatz und dem bedeutenden Kaiser-Heinrich-Kreuz

Bauwerke

 
  • Stiftskirche St. Peter (Dom, um 1180), seit 2004 päpstliche Basilica minor
  • Gotische Stadtkirche (ehem. Minoritenklosterkirche, 1244)
  • Stadtmauer und Wehrtürme (12.-14. Jahrhundert)
  • Grauer Turm, mit Museum (13. Jahrhundert)
  • Rathaus (von 1109, ältestes Amtshaus Deutschlands)
  • Marktplatz mit Rolandsbrunnen und ehemaliger Münze
  • Hochzeitshaus (1580), mit Geschichtsmuseum
  • Kurien (14.-15. Jahrhundert)
  • Fachwerkhäuser (15.-18. Jahrhundert)
  • Kloster der Franziskaner (Minoriten) (13. Jahrhundert), heute Hospital
  • Kloster der Ursulinen (1719), heute Gymnasium
  • Fraumünsterkirche
  • Deutschordenshaus
  • Warten (Wachttürme außerhalb der Stadt)
  • Dorfkirche Werkel mit Stockhausens Glasbild „Christus der Weltenrichter“

Ausflugsziele in der näheren Umgebung

  • Büraberg (Burg und Kloster aus dem 7. und 8. Jahrhundert, konservierte Ausgrabungen, Brigidakirche, Kreuzweg)
  • Steinzeitsiedlung bei Geismar
  • Steinkammergrab oder Galeriegrab bei Züschen (etwa 2000 v. Chr.)
  • Bad Wildungen mit Schloss Friedrichstein
  • Felsberg mit Felsburg
  • Heiligenberg (bei Gensungen)
  • Gudensberg mit Obernburg (Gudensberg)
  • Borken, mit dem Hessischen Braunkohle Bergbaumuseum
  • Bad Zwesten
  • Homberg (Efze)
  • Schloss Waldeck und Edersee

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Fasching, mit Rosenmontagszug
  • Pferdemarkt (Viehmarkt und Volksfest), zweites Wochenende im Juli
  • Hockeyturnier mit öffentlicher Feier, Ende Oktober
  • Kulturwochen vor dem Dom, im August

Besonderes

Der bekannte Benimm-Ratgeber Adolph Freiherr Knigge schrieb 1795 seine Satire: „Reise nach Fritzlar im Sommer 1794“.

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